Kategorie: Meine Rezensionen

Die sieben Zeichen des Zorns: Wächter des Reiches

Die sieben Zeichen des Zorns: Wächter des Reiches von [Balzer, Alexandra]

Um das vierte Zeichen des Zoi’ron zu initiieren, müssen die auserwählten Helden die Wächter seines Reiches erwecken. Natürlich stoßen sie dabei wieder auf zahlreiche Hindernisse. Aber wieder einmal stellt sich heraus, dass diese Queste viel mehr ist als Kampf und Sieg über mächtige Magier, uralte Wesen oder missgünstige Götter. Denn die Helden müssen erst ihre eigenen Zweifel und Ängste besiegen und mit den Lasten der Vergangenheit umgehen lernen. Dies trifft besonders auf Anthanael zu, der eine alte Lüge aufdecken muss.

In das vielfältige Universum dieser Fantasy-Saga einzutauchen ist immer wieder ein Vergnügen. Der von mir mit viel Vorfreude erwartete vierte Teil weist auch wieder ein etwas ruhigeres Tempo auf, ist aber trotzdem spannend zu lesen. Denn es geht hier weniger darum, furchterregende Kreaturen zu bekämpfen – die natürlich auch nicht fehlen – sondern darum, mit den inneren Dämonen fertig zu werden. So ist es dem Elf Anthanael endlich vergönnt, die Wahrheit über den Tod seiner Gefährtin zu erfahren – ein wichtiger Schritt, um seine Aufgabe erfüllen zu können, den Gott zu erwecken, der über die magischen Wesen richten wird. Man erfährt wieder ein wenig mehr über den Magier Anash, den Erzfeind der Gefährten und kann nicht umhin, ihn zumindest ansatzweise zu verstehen.
Berührend zu lesen, wie sich der verbannte Gott Nakoio mit dem verstörten Jungen Kiomy anfreundet – eine sehr einfühlsame Schilderung.
Immer wieder muss ich einfach bewundern, wie hier Handlungsfäden zu einem komplexen Gewebe verknüpft werden. Denn nichts geschieht aus Zufall, alles ergibt einen Sinn. Die Traumseherin hält den roten Faden in der Hand und das Geschehen immer im Auge. Ich finde diese Figur einfach meisterhaft, mit ihren Stärken und Schwächen.
Drei Teile sind noch ausständig, bis sich das Schicksal der Gefährten und ihrer Welt erfüllt und ich warte schon gespannt auf das nächste Buch meiner Lieblings-Fantasy-Autorin!

Die drei ersten Teile und weitere Bücher von Alexandra Balzer sind bei Amazon zu finden.

 

 

Ian Rankin – Knots & Crosses

Detective Sergeant John Rebus hat mehr als genug Probleme: Er trinkt und raucht zu viel, seine Frau hat ihn zusammen mit seiner Tochter Samantha verlassen. Außerdem leidet er noch immer unter den Folgen eines Traumas, das er durch das beinharte Training bei der Spezialeinheit der Army, der er vorher angehörte, erlitten hat.
Zu allem Überfluss hält gerade ein Verbrecher, der junge Mädchen entführt und tötet, die Stadt in Atem. Rebus erhält von ihm Briefe mit verknoteten Seilstücken und kreuzförmig zusammengefügten Zündhölzern.
Dann verschwindet plötzlich auch Rebus‘ Tochter und er muss erkennen, dass die Spuren zur Lösung des Falls in seiner eigenen Vergangenheit zu suchen sind.

Ian Rankins Krimis um Edinburgh und seine Figur John Rebus sind mittlerweile Kult.
Der erste Band der Reihe zeigt einen gebrochenen, traumatisierten Mann, der mit seinem Schicksal hadert und zu allem Überfluss auch noch einen Serienmörder jagen soll.
Nun ist die Figur des kaputten Ermittlers längst nichts Neues mehr und hier liegt meiner Meinung nach auch das Problem. Denn bis zur Hälfte des Buches geht es hauptsächlich um die Befindlichkeiten des Helden, um sein problematisches Verhältnis zu seinem Bruder, seiner Ex-Frau, seinen neuen Frauenbekanntschaften, zu Alkohol und Nikotin und seine traumatische Vergangenheit. Ein Riesen-Paket also, das der Arme mit sich herumschleppt.
Kein Wunder, dass da die Mordfälle nur so nebenbei eine Rolle spielen. Die anonymen Nachrichten, die Rebus bekommt (sie werden ihm direkt ins Haus geliefert, der Mörder weiß also sogar wo er wohnt) werden mehr oder weniger unbeachtet gelassen. Es ist wohl offensichtlich, dass der Täter irgendeine Verbindung zu Rebus hat, doch wird dies lange Zeit überhaupt nicht in Betracht gezogen.
Dass die Zusammenhänge zwischen den Opfern nicht schneller erkannt werden, fand ich auch ein wenig unglaubwürdig.
Wie gesagt, das Hauptaugenmerk liegt eben auf der Figur des John Rebus und nicht auf den Mordfällen.

Die Sprache im englischen Original ist sehr bildhaft und war für mich leicht zu verstehen. Die Kapitel sind kurz und laden trotz des eher mäßigen Tempos zum Weiterlesen ein.

Faszinierend finde ich meine Lieblingsstadt Edinburgh als Schauplatz. Diese Stadt ist reich an düsteren Geschichten wie z.B. der von Deacon William Brodie, die auch mehrfach in diesem Buch erwähnt wird.
Brodie war im 18. Jahrhundert ein angesehener Ratsherr und Tischlermeister. Nachts nützte er allerdings seine handwerklichen Fertigkeiten, um einzubrechen und seine Kunden zu berauben, damit er sein ausschweifendes Leben und gleich mehrere anspruchsvolle Geliebte finanzieren konnte.
Er wurde allerdings überführt und gehängt.
Robert Louis Stevenson nahm Brodie als Vorbild für seinen Dr. Jekyll und machte ihn dadurch auch literarisch berühmt.

Knotts & Crosses wurde 1987 veröffentlicht, damals war Ian Rankin erst 23 Jahre alt. Vielleicht dies auch ein Grund, warum so manches an der Geschichte noch nicht ganz ausgereift wirkt. Besonders fällt dies bei der Schilderung der Polizeiarbeit auf. Dies dürfte sich in den Folgebänden bestimmt gegeben haben, inzwischen ist der Autor eine Berühmtheit. Er lebt übrigens in der Stadt, die er so lebendig beschreibt – in Edinburgh.  

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